Unsere Geschichte
Von der Sägerei zur Unternehmensgruppe
Seit 1875 sehen wir es als unsere Aufgabe, den nachhaltigen, vielseitigen Rohstoff Holz zu innovativen Produkten zu verarbeiten. Damit wollen wir heute und für die Zukunft einen Mehrwert schaffen. Wir setzen auf Innovation, Lösungsorientierung und Qualitätsbewusstsein. Als Familienunternehmen in der fünften Generation betrachten wir unsere partnerschaftliche und familiäre Kultur als Grundlage für unsere Weiterentwicklung.
Faszination seit 1875
Seit 1875, als Leonhard Lehmann auf dem Erlenhof die erste Sägerei gründete, verschreiben wir uns ganz dem Holz. Wir verarbeiten hier den Werkstoff mit modernsten Anlagen und kombinieren Hightech mit traditionellem Handwerk. Gleichzeitig suchen wir stetig neue Anwendungen und folgen zukunftsweisenden Ideen. Aus dem ursprünglichen Sägereibetrieb von einst hat sich Blumer Lehmann mit drei Unternehmen und mehr als 600 Mitarbeitenden entwickelt. Sie ist heute Arbeitsort, Geschäftszentrum und Inspiration für Mitarbeitende und Kunden aus aller Welt.
«Das Finden von neuen Möglichkeiten ist eine gemeinsame Anstrengung. Davon war schon mein Grossvater überzeugt. So ist und bleibt es. Wir können uns auf unsere Mannschaft und deren Fachwissen, Erfahrung, Kreativität, und Leistungsbereitschaft und Freude am Werkstoff Holz verlassen.»Katharina Lehmann, CEO und Inhaberin
We Geschichte
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Gründung – mit Wasserkraft und Wagemut
Um 1875 zieht Leonhard Lehmann I. mit seiner schwangeren Ehefrau und der einjährigen Tochter Carolina auf den Erlenhof und legt den Grundstein der heutigen Blumer Lehmann.
1875 -
Ein Bund fürs Leben und fürs Unternehmen
1904 heiratet der erstgeborene Sohn von Leonhard Lehmann I., Leonhard Lehmann II. (1875 – 1961), Martina Eilinger (1877 – 1962) aus Waldkirch. Damit wachsen die Familien Lehmann und Eilinger noch enger zusammen. Ob wahre Liebe oder nicht, sicher ist, dass die Familienbande auch geschäftlich Sinn ergeben: Die Lehmanns besitzen einen aufstrebenden Sägereibetrieb, die Eilingers eine erfolgreiche Zimmerei.
1904 -
Angliederung einer Zimmerei
«Vater und Mutter befassten sich schon immer mit dem Gedanken, eine Zimmerei mit der bestehenden Sägerei zu verbinden, damit die Schnittwaren aus der Sägerei selber bearbeitet und als fertiges Bauholz gezimmert werden konnten», schreibt Leonhard Lehmann III. (1905 – 1995) in seinen Memoiren. «Deshalb sahen die Eltern es als beste Lösung an, mich als Zimmermann ausbilden zu lassen, und ich trat 1922 bei Otto Eilinger in Niederhelfenschwil in die Zimmerlehre ein.»
1927 -
Die dritte Generation übernimmt
Wie sein Grossvater findet Leonhard III. also in der benachbarten Erlenmühle seine Frau fürs Leben. Am 11. Februar 1935 heiratet das Paar und bezieht den Neubau auf dem Erlenhof; neun Monate später, am 20. November 1935, wird der nächste Stammhalter, Leonhard IV., geboren.
«Bubi erblickt das Licht der Welt», notiert Mutter Martha kurz und bündig in der Agenda.
Mit der Heirat geht wie üblich bei den Lehmanns der Betrieb der Sägerei und Zimmerei an Leonhard Lehmann III. als Erstgeborenen über.1935 -
Generalmobilmachung
Als Nazideutschland mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg auslöst, ordnet der Schweizer Bundesrat die Generalmobilmachung an.
1939 -
Kriegsjahre
In den Kriegsjahren führt Martha Lehmann mit Hilfe eines Knechts und zeitweise dienstentlassenen Mitarbeitenden den Betrieb auf Sparflamme weiter. Der Hürlimann-Traktor steht wegen der Benzinrationierung meist nutzlos in der Scheune.
1939 – 1945 -
Neubau der Sägerei
Die Friedensglocken, die am 8. Mai 1945 in der ganzen Schweiz läuten, hört man auf dem abgelegenen Erlenhof vermutlich nicht. Dennoch ist die Erleichterung – und Zuversicht! – wohl riesig. Noch im Herbst 1945 wird die alte Sägerei, die schon vor dem Krieg ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hatte, abgerissen und
1945 -
Ein Willys Jeep auf dem Erlenhof
Der Willys Jeep ist der grosse Stolz von Leonhard Lehmann IV. Als 15-jähriger darf er mit an die Militärauktion in Basel, wo der legendäre Geländewagen ersteigert wird. Und nicht nur das: ...
1950 -
Schloss Oberberg
Am 27. Oktober 1955 steht das älteste Gebäude in Gossau, Schloss Oberberg, in Flammen. Dank einer Sammelaktion und der Unterstützung des lokalen Gewerbes erfolgt der dreijährige Wiederaufbau.
1958 -
Gründung der Leonhard Lehmann AG
Im Zuge der Nachfolgeregelung wandeln Leonhard und Martha Lehmann 1959 ihr Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft um: die Leonhard Lehmann AG. Dadurch können die Firmenanteile unter den Erben verteilt und verkauft werden.
1959 -
Vertiefung des handwerklichen Know-hows
Ein erster mutiger Schritt der neuen Chefs auf dem Erlenhof, Leonhard und Ruedi Lehmann, ist, in Edliswil ein Holzbaugeschäft zu übernehmen und auch die Schreinerei dorthin auszulagern.
1960 -
Hochkonjunktur und Autobahnbau
Sichtbares Zeichen des wachsenden Wohlstands der Nachkriegszeit ist die Automobilisierung der Gesellschaft. Zwischen 1950 und 1970 steigt die Anzahl Autos in der Schweiz von 150 000 auf über 1 Million. Um den Blechlawinen Herr zu werden, beginnt 1963 das bis dato grösste Infrastrukturprojekt der Schweiz: der Autobahnbau.
1963 -
Normscheunen in Serienfertigung
Schon Leonhard Lehmann III. hatte sich auf den Scheunenbau spezialisiert. Man erkennt seine Bauten landauf, landab an den abgewalmten Giebeln. Nun beginnen seine Söhne mit der «Industrialisierung» des Landwirtschaftsbaus. 1962 präsentieren sie die Schweizer Normscheune T 110. Der Clou: Bauteile wie die verleimten Holzträger werden in Serien vorgefertigt – eine Vorform des Elementbaus, für den Blumer Lehmann später bekannt werden wird.
1963 -
Investitionsschub
Mitte der 1960er-Jahre lassen Leonhard und Ruedi Lehmann ihren Betrieb von einem deutschen Beratungsingenieur durchleuchten. Hauptkritik: die mangelnde Mechanisierung.
1965 -
Handwerk und kaufmännisches Flair
Seit 1945 ist Otto Ledergerber, der Bruder von Martha Lehmann-Ledergerber, der inoffizielle Finanzchef auf dem Erlenhof. Ab 1966 leistet ihm Sohn Magnus Gesellschaft, der sich zunächst zum Zimmermann ausbilden lässt und dann direkt gegenüber von seinem Vater im Büro Platz nimmt.
1974 -
Zusammenhalt seit 100 Jahren
Inmitten der ersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, der Ölkrise, feiert die Leonhard Lehmann AG ihren 100. Geburtstag. Die Firma ist mittlerweile auf 80 Mitarbeitende angewachsen, viele von ihnen sind dem Familienunternehmen seit Jahrzehnten treu.
1975 -
Ehrensache: Wiederaufbau der Henessenmühle
Am 23. Februar 1985 brennt die im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Henessenmühle bis auf die Grundmauern nieder – um nur zehn Monate später in neuem alten Glanz zu erstrahlen. Verantwortlich für den Wiederaufbau sind die Handwerker vom benachbarten Erlenhof, die noch die alten Techniken beherrschen und mit den alten Materialien umgehen können.
1985 -
Holzbau in neuen Sphären
1984 beginnen in Abtwil SG die Bauarbeiten zu einem für diese Zeit spektakulärsten Holzbau in der Schweiz: das Freizeit- und Einkaufszentrum Säntispark. Mit 13‘000 m2 Fläche soll die grösste Holzdachkonstruktion der Schweiz entstehen, doch nicht allein die Grösse ist eine Herausforderung, sondern auch die Formgebung.
1986 -
Aufspaltung der Leonhard Lehmann AG
Mitte der 1980er-Jahre entstehen jedoch Differenzen in der Unternehmensführung, so dass die beiden Brüder Leonhard und Ruedi einvernehmlich eine Aufspaltung ihres Betriebs beschliessen.
1986 -
Der Computer erobert den Erlenhof
Die Geschichte auf dem Erlenhof ist immer auch verbunden mit Technik. Über ein Jahrhundert nach der Wasserkraft tritt die Computertechnologie ihren Siegeszug an – auch auf dem handwerklich geprägten Erlenhof.
1988 -
Rindenverwertungshalle Beniwood AG
Auf dem südlichen Gelände des Erlenhofs siedelt sich die Beniwood AG an. Firmengründer Beni Gmünder kommt die Idee, die Rinde aus seiner mobilen Entrindung und der Sägerei zu Briketts zu veredeln. Mit der Ansiedlung der Beniwood AG kommt der Erlenhof dem geschlossenen Holzkreislauf ein Stück näher: vom Sägen über das Verbauen des Holzes bis hin zur Verwertung seiner Rinde.
1995 -
Ein Schlag, der alle trifft
Am 25. Mai 1996 erleidet Firmenchef Leonhard Lehmann einen Schlaganfall. Auch wenn er überlebt und sein wacher Geist erhalten bleibt, ist an eine Fortsetzung der Geschäftsführung nicht zu denken. Zum ersten Mal in der Geschichte steht das Familienunternehmen der Lehmanns vor der Schicksalsfrage: Wie weiter?
1996 -
Die fünfte Generation übernimmt
Der Schlaganfall des Patrons trifft das Unternehmen unvorbereitet. Im Vertrauen darauf, nichts allein entscheiden zu müssen, sagt die 24-jährige Katharina Lehmann: «Ich übernehme die Verantwortung.» Sie ist auf dem Erlenhof aufgewachsen, kennt jeden Mitarbeiter und die Stärken und Schwächen des Unternehmens. Sie weiss aber auch, dass sie zu jung und unerfahren ist, um «Chefin» zu sein. Deshalb verteilt sie die Verantwortung auf verschiedene Schlüsselpersonen.
1996 -
Übernahme der Blumer Elementtechnik AG
Als KMU-Unternehmer stehen Leonhard Lehmann und Hermann Blumer vor ähnlichen Herausforderungen: begrenztes Kapital und hoher Investitionsbedarf. Die topmoderne Sägerei von Lehmann Gossau rentiert noch nicht und Hermann Blumer braucht dringend neue Partner für seine verschuldete Blumer AG in Waldstatt.
1996 -
Silobau als neues Geschäftsfeld
Der Silobau ist ein Nischenmarkt und die Konkurrenz aus Deutschland mächtig. So macht sich Jakob Frischknecht von der kleinen Silobaufirma Schmid in Wattwil auf die Suche nach einem starken Partner und landet auf dem Erlenhof.
2000 -
Internationalisierung
Der erste internationale Auftritt von Blumer Lehmann an der Expo 2000 in Hannover steht noch im Schatten von Peter Zumthors berühmtem «Klangkörper». Gleichwohl demonstriert Blumer Lehmann mit einigen der elf modulartigen Multiservice-Komplexe seine Holzbaukompetenz.
2002 -
Katastrophenjahr
Bereits 2003 kam es zu einem Brand auf dem Erlenhof – im Hobelwerk. Ein Jahr später steht das Pelletwerk in Flammen. Und als wären die Feuerbrünste nicht Ungemach genug, bricht im Juni 2004 auch noch ein 150 m3 grosses Silo in Ostermundigen BE zusammen.
2004 -
Herausfordernde Holzbauten
Als die Kantone St. Gallen und Thurgau einen Architekturwettbewerb für die neue Kantonsschule in Wil ausschreiben, wünschen sie sich einen Holzbau. Das ist für eine Schule, die 600 Schülerinnen und Schülern Platz bieten wird, eine mutige Entscheidung.
2004 -
Ein Baustein mehr
2005 übernimmt Blumer Lehmann die Firma Wey Modulbau AG in Villmergen und erhält dadurch auf einen Schlag viel Know-how im Bereich des Modulbaus.
2005 -
Sterzing IT: die grösste Siloanlage Europas
Der unglückliche Zusammenbruch eines Silos 2004 schmälert das Vertrauen in Blumer Lehmanns Silobau kaum. Nach mehreren erfolgreichen Projekten in der DACH-Region setzt Blumer Lehmann 2007 im südtirolischen Sterzing neue Massstäbe im Silobau.
2007 -
Holzarchitektur in neuen Formen
Ein Glücksfall für Blumer Lehmann, dass sich in Tokyo ein genialer Architekt ganz dem Holz verschreibt: Shigeru Ban. Er baut im Jahr 2008 in Südkorea das berühmte Haesley Nine Bridges Golf Clubhouse, das zur ersten Zusammenarbeit zwischen Shigeru Ban und Blumer Lehmann wird.
2008 -
Ausbau der Holzindustrie
Seit dem Brand 2003 arbeiten die im Hobelwerk beschäftigten Mitarbeiter von Blumer Lehmann in Provisorien. Dennoch stehen im Bereich Holzindustrie alle Zeichen auf Wachstum.
2008 -
Wald aus Stützen: Tamina Therme in Bad Ragaz
Endlich Ruhe – das suchen die Besucherinnen und Besucher der Tamina Therma des noblen Grand Resort Bad Ragaz. Und an diesem Bedürfnis orientiert sich auch die leichte, lichte Architektur der Therme.
2009 -
Eigenversorgung mit Energie
Wachstum erfordert Energie. Das gilt insbesondere für die Pelletsproduktion der Beniwood AG, die mittlerweile rund 10'000 Tonnen Pellets aus Restholz von Blumer Lehmann produziert. Blumer Lehmann gründet 2010 die Lehmann Energie AG und nimmt ein eigenes Biomassekraftwerk in Betrieb, das nicht nur für eine autarke Energieversorgung des Erlenhofs sorgt, sondern sogar noch Strom für rund 1200 Haushalte in der Umgebung einspeist.
2010 -
Silobau wird Komplettanbieter
2011 macht sich der Silobau von Blumer Lehmann in seinem Leistungsspektrum und auch juristisch selbständig; mit eigenem Personal, internationalen Verkaufsstrukturen und einem Standort in Deutschland – erst in Untermeitingen, später in Klosterlechfeld.
2011 -
Fliegende Klassenzimmer
Seit Ende der 1990er-Jahre wächst Zürich – und wie: Allein von 2000 bis 2023 um über 85 000 Einwohner. Allerdings hinkt der Schulbau dem Wohnungsbau hinterher. Deshalb entwickelt die Stadt 1998 ein Baukastensystem, bei dem vorgefertigte Holzmodule zu Schulzimmern zusammengefügt werden können.
2012 -
Der Holzkreislauf schliesst sich
Blumer Lehmann übernimmt die Beniwood AG. Der neu gewonnene Geschäftsbereich Lehmann Pellets AG veredelt sämtliches Restholz – Säge- und Hobelspäne sowie Rinde – entweder zu ökologischen Wärmeträgern wie Pellets und Rindenbriketts oder wandelt es im neuen Kraftwerk direkt in Wärme und Strom um.
2013 -
Holzbau inmitten der Stadt
Das nächste Projekt gemeinsam mit dem Architekten Shigeru Ban, Hermann Blumer und Blumer Lehmann: das TA-Media-Bürogebäude inmitten der Zürcher City.
2013 -
Free Form, die Königsdisziplin
Die Free Form orientiert sich nicht an Normen und Standards, sondern an den Entwürfen der Architektinnen und Architekten. 2014 bündelt Blumer Lehmann die Kompetenzen im Bereich Free Form in der Timber Code AG mit eigener Montagehalle an der Bischofszellerstrasse in Gossau sowie einer Hightech- Fräsmaschine TW-Mill von Techno- Wood, die Rohholz mit Dimensionen von bis zu 27 × 5,5 × 1,35 Metern zu geometrisch komplexesten Bauteilen fräst.
2015 -
Wohnbauten aus Holz werden grösser
Dank neuer Bauvorschriften werden die Holzbauten immer grösser, und auch im Wohnbau entstehen grosse Überbauungen aus Holz. Ein Beispiel dafür ist die Wohnanlage Bildweiher in St.Gallen.
2015 -
Heimatschutz: sanfte Renovation der Kobesenmühle
Als 2015 das 1698 erbaute und denkmalgeschützte Wohnhaus der Kobesenmühle in Niederhelfenschwil sanft renoviert werden soll, erhält Blumer Lehmann den Zuschlag für die Holzbauarbeiten.
2015 -
Angewandte Forschung
«Wie ein aufgefalteter Akkordeonbalg liegt das Bauwerk in der Wiese.» Der Vergleich einer Journalistin passt gut zum Erweiterungsbau für das Théâtre de Vidy in Lausanne, der vom Architekten Yves Weinand als Faltwerk entworfen wurde.
2017 -
Höchstgeschwindigkeit – aber bitte ökologisch
Unter Extrembedingungen baut Blumer Lehmann 2018 in Zürich dein dreistöckigen, 1800 Personen fassenden Hospitality-Bereich für das erste Formula-E-Rennen in Zürich. Nach dem Rennen reist der Temporärbau weiter nach Saudi-Arabien zum nächsten Formula-E-Rennen.
2018 -
Neue Dimensionen im Holzbau
Mit Hilfe parametrischer Planung sowie höchst präziser Produktion, Logistik und Montage entsteht eines der spektakulärsten Bauwerke der Schweiz: der Free Form-Holzbau Swatch-Hauptsitz in Biel. Der Bau, entworfen von Architekt Shigeru Ban, markiert auch das Ende einer grossen Holzbauerkarriere.
2019 -
So schön kann Silo sein
Blumer Lehmann kann Silos, Modulbauten, Komplettanlagen und Automatisierung. Bildet man die Summe aus all diesen Kompetenzen, entsteht unter dem Strich die vollautomatische Modulsiloanlage. 2019 baut Blumer Lehmann im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA die bislang grösste dieser Anlagen in Chur mit 2300 m3 Salzlagervolumen, einer Soleproduktion, einem Betriebsraum mit Küche und WC und einer interirdischen Rückförderanlage.
2019 -
Aufbruch ins Ausland
Was wäre, wenn sich Blumer Lehmann als internationales Unternehmen verstünde – mit Wurzeln und Hauptsitz in der Schweiz und Niederlassungen im Ausland?
2020 -
UM!BAU: Theater recycelt
Das Theater St. Gallen muss saniert und erweitert werden. Damit das Ensemble und die St. Galler Theaterfreundinnen und -freunde während der Bauarbeiten ab Herbst 2020 nicht ohne Spielstätte sind, baut Blumer Lehmann das Provisorium UM!BAU mit allem, was in einem Theater dazugehört:
2020 -
Einmalig: das vollautomatische Hochregallager für Schnittholz
2022 geht auf dem Erlenhof das 27 m hohe, vollautomatische Hochregallager für Schnittholz in Betrieb.
2022 -
Eine Marke für alle unsere Firmen: Blumer Lehmann
«Wir sind Blumer Lehmann» – ein Statement, das alle Firmen und Standorte der Lehmann Gruppe unter der gemeinsamen Marke Blumer Lehmann vereint.
2023 -
Wachstum aus Notwendigkeit
Ab 2018 forciert Blumer Lehmann die Investitionen im Bereich Holzindustrie – beginnend mit der Verlegung des Loobaches und dem Neubau der Zugangsstrasse. Nach der Inbetriebnahme des Hochregallagers im Jahr 2022 für Schnittholz folgt 2023 eine vollautomatische Absackanlage für Pellets und Kleintierstreu. Das Sägewerk läuft auf Hochtouren und verzeichnet 2022/2023 eine Rekord-Einschnittmenge von ca. 174’000 fm Rundholz – ein Drittel mehr als 2019.
2024 -
Das neue Stammhaus
Doch das Wachstum der letzten Jahre brachte den Standort an seine Grenzen. Während Katharina Lehmann die Strategie einer integrierten Wertschöpfungskette vorantrieb – mit ganzheitlichen Holzlösungen vom Erlenhof – wurde das Firmenareal zu klein.
2025
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1875 – Gründung – mit Wasserkraft und Wagemut
Um 1875 zieht Leonhard Lehmann I. mit seiner schwangeren Ehefrau und der einjährigen Tochter Carolina auf den Erlenhof und legt den Grundstein der heutigen Blumer Lehmann.
In der Erlenmühle begeistert sich Leonhard Lehmann für die Wasserkraft – aber eben nicht nur für sie, sondern auch für die älteste Tochter seiner Chefin und Stiefmutter. 1873 heiratet er Carolina Ledergerber. Er zieht mit seiner jungen Familie auf den benachbarten Erlenhof – vermutlich zunächst zur Miete. Dort kommt 1875 auch der zukünftige Stammhalter, Leonhard II zur Welt.
1876 kauft Leonhard Lehmann I. für 25 000 Franken den Erlenhof, damals auch Eierli genannt. Zudem erwirbt er von seinem Schwager, Johann Martin Ledergerber jr., die untere Weierwiese sowie das Recht, das Wasser des Loobachs für den Betrieb einer Sägerei zu nutzen. Es ist eine gute Idee: Überall in der Ostschweiz wird gebaut. Es herrscht Hochkonjunktur.
Er berechnete dann: «Wenn ich das Wasser, wenn es von der Mühle in den Bach fliesst, sofort wieder fasse und in einem Kanal in einen Weiher leite und tiefer unten eine Säge baue, so bekomme ich ein Gefälle von etwa acht Metern.» Leonhard Lehmann III., in seinen Memoiren -
1904 – Ein Bund fürs Leben und fürs Unternehmen
1904 heiratet der erstgeborene Sohn von Leonhard Lehmann I., Leonhard Lehmann II. (1875 – 1961), Martina Eilinger (1877 – 1962) aus Waldkirch. Damit wachsen die Familien Lehmann und Eilinger noch enger zusammen. Ob wahre Liebe oder nicht, sicher ist, dass die Familienbande auch geschäftlich Sinn ergeben: Die Lehmanns besitzen einen aufstrebenden Sägereibetrieb, die Eilingers eine erfolgreiche Zimmerei.
Mit der Heirat übernimmt Leonhard Lehmann II. den nordwestlichen Teil des Erlenhofs mit dem Sägewerk. Das Sägen auf dem Einfachgatter, das Schneiden von Rundholz zu Balken, Brettern und Latten hat er von jung auf vom Vater gelernt. Neben der Sägerei lässt sich das Ehepaar vom Brautvater und Zimmermeister Eilinger ein Eigenheim bauen – es ist das älteste und bis vor Kurzem noch bestehende Gebäude auf dem Erlenhof. Im Betrieb arbeitet auch Ehefrau Martina mit und führt die Rechnungsbücher.
Dass es aufwärtsgeht mit den Lehmanns, davon zeugen Anstellungsverträge für externe Säger und Hausangestellte Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Aufschwung endet abrupt mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Sägerei steht still, der Rundholzplatz wird zum Kartoffelacker. -
1927 – Angliederung einer Zimmerei
«Vater und Mutter befassten sich schon immer mit dem Gedanken, eine Zimmerei mit der bestehenden Sägerei zu verbinden, damit die Schnittwaren aus der Sägerei selber bearbeitet und als fertiges Bauholz gezimmert werden konnten», schreibt Leonhard Lehmann III. (1905 – 1995) in seinen Memoiren. «Deshalb sahen die Eltern es als beste Lösung an, mich als Zimmermann ausbilden zu lassen, und ich trat 1922 bei Otto Eilinger in Niederhelfenschwil in die Zimmerlehre ein.»
Otto Eilinger? Genau, das ist Leonhards Onkel aus der Zimmereidynastie der Eilingers. So wird Leonhard III. zum ersten Lehmann, der das Know-how beider Familien, der Lehmanns und Eilingers, in sich vereint: das Sägen und das Zimmern.
1927 kehrt Leonhard III. aus der Rekrutenschule zurück und weiss, was er zu tun hat: Er richtet gemeinsam mit seinem Bruder Viktor auf dem Erlenhof eine Zimmerei ein. Sie läuft gut, «der Betrieb dehnte sich rasch aus, und zur Familie gesellten sich fremde Zimmerleute», schreibt Walter Lehmann, der jüngere Bruder von Leonhard und Viktor.
Durch die Zimmerei erschliesst sich der Erlenhof zudem einen neuen Markt: Waren es früher Wagner, Zimmereien und Schreinereien, die vom Erlenhof Holz bezogen, kommen nun Bauherren, Planer und Architekten dazu – ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Erlenhofs hin zum Holzbauunternehmen. -
1935 – Die dritte Generation übernimmt
Wie sein Grossvater findet Leonhard III. also in der benachbarten Erlenmühle seine Frau fürs Leben. Am 11. Februar 1935 heiratet das Paar und bezieht den Neubau auf dem Erlenhof; neun Monate später, am 20. November 1935, wird der nächste Stammhalter, Leonhard IV., geboren.
«Bubi erblickt das Licht der Welt», notiert Mutter Martha kurz und bündig in der Agenda.
Mit der Heirat geht wie üblich bei den Lehmanns der Betrieb der Sägerei und Zimmerei an Leonhard Lehmann III. als Erstgeborenen über.
Bruder Viktor wird ausbezahlt und eröffnet in Buttikon SZ eine eigene Sägerei und Zimmerei, die bis heute als Familienunternehmen besteht.
Zitat
«Im Jahre 1934 bauten wir zur Sägerei ein neues Haus und es fehlte mir nur eine junge Frau und Meisterin. Aber was willst du in die Ferne schweifen, da das Gute liegt so nah? In der Erlenmühle, bei Martha Ledergerber, klopfte ich an. Am Bettag 1934 schenkten wir uns den Verlobungsring», schreibt Leonhard Lehmann III. in seinen Memoiren. -
1939 – Generalmobilmachung
Als Nazideutschland mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg auslöst, ordnet der Schweizer Bundesrat die Generalmobilmachung an.
«Ein Viermillionenvolk steht auf Grenzwacht und harrt gefasst und entschlossen der Prüfungen dieser dunklen, blutigen, mordenden Zeit», schreibt die Neue Zürcher Zeitung.
Das ist etwas übertrieben, doch immerhin 220'000 Soldaten treten den Aktivdienst an, darunter Leonhard Lehmann III. und fast die gesamte Belegschaft des Erlenhofs. -
1939 – 1945 – Kriegsjahre
In den Kriegsjahren führt Martha Lehmann mit Hilfe eines Knechts und zeitweise dienstentlassenen Mitarbeitenden den Betrieb auf Sparflamme weiter. Der Hürlimann-Traktor steht wegen der Benzinrationierung meist nutzlos in der Scheune.
Am 31. März 1941 schreibt Martha Lehmann einen Bittbrief an die Motorfahrzeugkontrolle St.Gallen. «Ich habe noch 200 m3 Holz in den Wiesen zu liegen, welche ich nicht wegführen kann ohne die Hilfe von Benzin.» -
1945 – Der Neubau der Sägerei
Die Friedensglocken, die am 8. Mai 1945 in der ganzen Schweiz läuten, hört man auf dem abgelegenen Erlenhof vermutlich nicht. Dennoch ist die Erleichterung – und Zuversicht! – wohl riesig. Noch im Herbst 1945 wird die alte Sägerei, die schon vor dem Krieg ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hatte, abgerissen und
durch einen stattlichen Neubau ersetzt (auf dem Bild rechts hinter dem Rundholzplatz); im 1. Stock wird die Zimmerei eingerichtet.
Links im Bild: der Landwirtschaftsbetrieb von Philipp Lehmann, dem Bruder von Leonhard Lehmann III. In der Mitte: das 1935 von Leonhard Lehmann II. gebaute Wohnhaus, wo sich bis vor kurzem die Cafeteria befand. Dahinter: die alte Abbundhalle.
Bereits im Februar 1945 wurde Otto Ledergerber, der Bruder von Martha Lehmann-Ledergerber, auf dem Erlenhof angestellt. Als Buchhalter und Bürochef wird der ausgebildete Lehrer und Kaufmann in den kommenden Jahrzehnten auf Sparsamkeit und Disziplin achten. Nicht selten werden Lernende abkommandiert, um Nägel gerade zu schlagen, und einen Bleistift ist so lang zu spitzen, bis nur noch ein «Stumpen» übrig ist. -
1950 – Ein Willys Jeep auf dem Erlenhof
Der Willys Jeep ist der grosse Stolz von Leonhard Lehmann IV. Als 15-jähriger darf er mit an die Militärauktion in Basel, wo der legendäre Geländewagen ersteigert wird. Und nicht nur das: ...
Er darf den Wagen sogar (unerlaubterweise) allein bis auf den Erlenhof lenken. Nun fotografiert er wohl stolz den Jeep mit seinen Geschwistern Ruedi am Steuer, Markus auf Ruedis Schoss und Norbert im Hintergrund. -
1958 – Schloss Oberberg
Am 27. Oktober 1955 steht das älteste Gebäude in Gossau, Schloss Oberberg, in Flammen. Dank einer Sammelaktion und der Unterstützung des lokalen Gewerbes erfolgt der dreijährige Wiederaufbau.
Ehrensache, dass die «Hölzigen» vom Erlenhof die Zimmerarbeiten übernehmen: Eichenriegelwand, Treppenbauten, die Decken im Rittersaal und Nebenräumen, die Kapellendecke und Dachreiter – all das kommt aus dem Hause Lehmann. -
1959 – Gründung der Leonhard Lehmann AG
Im Zuge der Nachfolgeregelung wandeln Leonhard und Martha Lehmann 1959 ihr Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft um: die Leonhard Lehmann AG. Dadurch können die Firmenanteile unter den Erben verteilt und verkauft werden.
Ein Jahr später übernehmen Leonhard IV. und Bruder Ruedi Lehmann, die zwei ältesten der sieben Kinder von Leonhard und Martha Lehmann, das Familienunternehmen in vierter Generation.
18 Angestellte zählt der Erlenhof zu diesem Zeitpunkt – alles «Allround-Männer», wie Leonhard Lehmann IV. sie in einer Rede anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums 1975 nennt, die Holz abbinden, es aufrichten, in der Sägerei arbeiten oder im Winter Möbel schreinern -
1960 – Vertiefung des handwerklichen Know-hows
Ein erster mutiger Schritt der neuen Chefs auf dem Erlenhof, Leonhard und Ruedi Lehmann, ist, in Edliswil ein Holzbaugeschäft zu übernehmen und auch die Schreinerei dorthin auszulagern.
Damit vergrössert die Leonhard Lehmann AG nicht nur ihre Kapazitäten, sondern übernimmt auch mehr Produktionsschritte selbst. In Edliswil wird eine eigene Fensterfabrik eröffnet, in der auch doppeltverglaste Fenster handwerklich produziert werden. -
1963 – Hochkonjunktur und Autobahnbau
Sichtbares Zeichen des wachsenden Wohlstands der Nachkriegszeit ist die Automobilisierung der Gesellschaft. Zwischen 1950 und 1970 steigt die Anzahl Autos in der Schweiz von 150 000 auf über 1 Million. Um den Blechlawinen Herr zu werden, beginnt 1963 das bis dato grösste Infrastrukturprojekt der Schweiz: der Autobahnbau.
In der Ostschweiz führt die Planung der A1 zu grossflächigen Güterzusammenlegungen, Umsiedlungen und Meliorationen. Dadurch steigt die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Neubauten wie Scheunen und Ställe – eine Chance für die Leonhard Lehmann AG. -
1963 – Normscheunen in Serienfertigung
Schon Leonhard Lehmann III. hatte sich auf den Scheunenbau spezialisiert. Man erkennt seine Bauten landauf, landab an den abgewalmten Giebeln. Nun beginnen seine Söhne mit der «Industrialisierung» des Landwirtschaftsbaus. 1962 präsentieren sie die Schweizer Normscheune T 110. Der Clou: Bauteile wie die verleimten Holzträger werden in Serien vorgefertigt – eine Vorform des Elementbaus, für den Blumer Lehmann später bekannt werden wird.
1963 eröffnet die Firma ihr erstes eigenes Planungsbüro. Über 800 Normscheunen wird die Leonhard Lehmann AG in den nächsten 25 Jahren bauen oder mit Partnerfirmen bauen lassen. -
1965 – Investitionsschub
Mitte der 1960er-Jahre lassen Leonhard und Ruedi Lehmann ihren Betrieb von einem deutschen Beratungsingenieur durchleuchten. Hauptkritik: die mangelnde Mechanisierung.
«Der Lohnaufwand für den Umschlag des Rundholzes ist viel zu hoch.»* Auch in der Sägehalle fehle «jede Form der Transportmechanisierung». Insgesamt entfielen 80 Prozent der Löhne auf Transportarbeiten. In den Folgejahren wird auf dem Erlenhof kräftig investiert – etwa in eine Ablänge- und Sortieranlage für den Rundholzplatz, die von einem einzigen Arbeiter bedient werden kann.
* Untersuchungsbericht für Betriebsberatung von Dipl. Ing. G. Menzel, Lindau vom 28. September 1965 -
1974 – Handwerk und kaufmännisches Flair
Seit 1945 ist Otto Ledergerber, der Bruder von Martha Lehmann-Ledergerber, der inoffizielle Finanzchef auf dem Erlenhof. Ab 1966 leistet ihm Sohn Magnus Gesellschaft, der sich zunächst zum Zimmermann ausbilden lässt und dann direkt gegenüber von seinem Vater im Büro Platz nimmt.
Magnus Ledergerbers Talent ist die Akribie, mit der er sich durch das Dickicht staatlicher Vorschriften und Normierungen im Landwirtschaftsbau kämpft. Damit und mit seinem organisatorischen Geschick trägt er entscheidend zum Erfolg der Lehmannschen Normscheunen bei. Am Ende wird er seinen Vater um 32 Jahre im Betrieb überdauern, ehe auch er 2019 in Rente geht. -
1975 –
Inmitten der ersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, der Ölkrise, feiert die Leonhard Lehmann AG ihren 100. Geburtstag. Die Firma ist mittlerweile auf 80 Mitarbeitende angewachsen, viele von ihnen sind dem Familienunternehmen seit Jahrzehnten treu.
Der Erlenhof: Ein Mikrokosmos, in dem die Lehmanns und die Ledergerbers und die Mitarbeitenden zu einer Familie verschmelzen, die gemeinsam isst und trinkt, feiert und trauert, lacht und ja: vor allem auch «chrampft».
Zitat
«Mit einigen von Ihnen bin ich im Betrieb aufgewachsen. Sie brachten mir das Sägen und Hobeln bei, Sie waren meine Vorbilder… Sie haben mich oft heimlich an Maschinen und Fahrzeugen herangelassen, ohne dass der Vater es sehen konnte.» Und: «Vielfach – und dies waren für mich die wertvollsten Erfahrungen – habe ich durch ihre Ideen und Kritiken meine Meinung überdenken und ändern müssen.» Leonhard Lehmann IV., der 1935 auf dem Erlenhof geboren wurde, anlässlich des Firmenjubiläums zu seinen Mitarbeitenden. -
1985 – Ehrensache: Wiederaufbau der Henessenmühle
Am 23. Februar 1985 brennt die im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Henessenmühle bis auf die Grundmauern nieder – um nur zehn Monate später in neuem alten Glanz zu erstrahlen. Verantwortlich für den Wiederaufbau sind die Handwerker vom benachbarten Erlenhof, die noch die alten Techniken beherrschen und mit den alten Materialien umgehen können.
Die im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Henessenmühle ist auch bei den Lehmanns ein beliebtes Ausflugsziel. Am 23. Februar 1985 brennt sie bis auf die Grundmauern nieder – um nur zehn Monate später in neuem alten Glanz zu scheinen.
Der kantonale Denkmalpfleger zeigt sich in seiner Rede an der Eröffnungsfeier froh darüber: «Es ist ein Glück, dass es noch Handwerker gibt, die mit den alten Techniken vertraut sind und die mit alten Materialien umgehen können.»
Wo man diese Handwerker gefunden hat? Natürlich auf dem benachbarten Erlenhof – inklusive Leonhard Lehmann IV., der die Bauleitung übernahm. Damit nicht genug: Im darauffolgenden Sommer läuft sogar das Mühlerad wieder – als historische Rekonstruktion. -
1986 – Holzbau in neuen Sphären
1984 beginnen in Abtwil SG die Bauarbeiten zu einem für diese Zeit spektakulärsten Holzbau in der Schweiz: das Freizeit- und Einkaufszentrum Säntispark. Mit 13‘000 m2 Fläche soll die grösste Holzdachkonstruktion der Schweiz entstehen, doch nicht allein die Grösse ist eine Herausforderung, sondern auch die Formgebung.
Unten Wellen, oben Wellendach, so lautet das architektonische Programm. Die Bauingenieure und Holzbauer, die es umsetzen können, sind Holzbauingenieure Steiner, Jucker + Blumer, Hermann Blumer, und die Leonhard Lehmann AG, die die Federführung der ARGE «Säntispark Holzkonstruktionen» übernimmt. Gemeinsam mit den Ingenieuren löst man auch die kniffligen konstruktiven und statischen Fragen, beispielsweise, wenn es um das dreidimensionale, gebogene Trägerrost geht – «eine holzbauliche Premiere».
Zitat
«Als architektonischer Höhepunkt (…) dürften die sanft verlaufenden Dachformen bezeichnet werden, die in einer beeindruckenden, kühnen Holzkonstruktion die Bäderlandschaft wie ein Wellenmeer überspannen», schreibt die Fachzeitschrift Lignum. -
1986 – Neustrukturierung
Mitte der 1980er-Jahre entstehen jedoch Differenzen in der Unternehmensführung, so dass die beiden Brüder Leonhard und Ruedi einvernehmlich eine Aufspaltung ihres Betriebs beschliessen.
Leonhard führt unter dem neuen Namen «Lehmann Gossau» die Leonhard Lehmann AG mit Sägewerk, Holzhandel, dem Holzmarkt an der Bischofszellerstrasse und vor allem dem Holzbau weiter, sein Bruder überführt die «neueren» Bereiche Architektur, Fensterbau und Schreinerei in die neu gegründete Lehmann Arnegg AG ein. -
1988 – Der Computer erobert den Erlenhof
Die Geschichte auf dem Erlenhof ist immer auch verbunden mit Technik. Über ein Jahrhundert nach der Wasserkraft tritt die Computertechnologie ihren Siegeszug an – auch auf dem handwerklich geprägten Erlenhof.
1988 wird eine der ersten automatischen Abbundanlagen der Schweiz an den Erlenhof ausgeliefert wird: die legendäre Hundegger P8, die eine computergesteuerte, automatisierte Herstellung von Abbundteilen in höchster Präzision ermöglicht. Vier Jahre später kann in der Sägerei auf dem Erlenhof dank neuer und ebenfalls computergesteuerter Zerspaneranlage auch Schwachholz wie die einheimische Fichte verarbeitet werden. Die Investition ist ein Bekenntnis von Lehmann Gossau zum einheimischen Holz, das durch die Konkurrenz aus dem Ausland immer stärker unter Druck gerät. -
1995 – Rindenverwertungshalle Beniwood AG
Auf dem südlichen Gelände des Erlenhofs siedelt sich die Beniwood AG an. Firmengründer Beni Gmünder kommt die Idee, die Rinde aus seiner mobilen Entrindung und der Sägerei zu Briketts zu veredeln. Mit der Ansiedlung der Beniwood AG kommt der Erlenhof dem geschlossenen Holzkreislauf ein Stück näher: vom Sägen über das Verbauen des Holzes bis hin zur Verwertung seiner Rinde.
Der Erlenhof wird noch «hölziger»: 1995 siedelt sich auf dem südlichen Gelände des Erlenhofs die Beniwood AG an. Bei ihrer Gründung 1985 bestand die Firma nur aus einer mobilen Entrindungsanlage, mit der Firmengründer Beni Gmünder in Wäldern oder Sägereien Baumstämme entrindete. Die bis zu 15‘000 Kubikmeter Rinde hat er an Gärtnereien oder Landwirte verkauft oder – bei fehlender Nachfrage – kompostiert. Doch dann kommt ihm die Idee, die Rinde zu Briketts zu veredeln. Mit der Ansiedlung der Beniwood AG kommt der Erlenhof dem geschlossenen Holzkreislauf ein Stück näher: vom Sägen über das Verbauen des Holzes bis hin zur Verwertung seiner Rinde. -
1996 – Ein Schlag, der alle trifft
Am 25. Mai 1996 erleidet Firmenchef Leonhard Lehmann einen Schlaganfall. Auch wenn er überlebt und sein wacher Geist erhalten bleibt, ist an eine Fortsetzung der Geschäftsführung nicht zu denken. Zum ersten Mal in der Geschichte steht das Familienunternehmen der Lehmanns vor der Schicksalsfrage: Wie weiter?
Die Kinder von Ruth und Leonhard Lehmann stecken zu diesem Zeitpunkt noch in der Ausbildung. Katharina studiert an der HSG in St. Gallen Wirtschaft, Leonhard V. macht die Lehre zum Zimmermann, Regula eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Kommt hinzu, dass die Firma vor grossen Herausforderungen steht. Die Immobilienkrise ist weiterhin spürbar, die Sägerei schreibt trotz oder wegen hoher Investitionen rote Zahlen, und überall im Land schiessen Grossbaumärkte aus dem Boden, die Lehmanns Holzmarkt in Gossau bedrohen. Wer soll und kann das Zepter übernehmen? -
1996 – Katharina Lehmann übernimmt
Der Schlaganfall des Patrons trifft das Unternehmen unvorbereitet. Im Vertrauen darauf, nichts allein entscheiden zu müssen, sagt die 24-jährige Katharina Lehmann: «Ich übernehme die Verantwortung.» Sie ist auf dem Erlenhof aufgewachsen, kennt jeden Mitarbeiter und die Stärken und Schwächen des Unternehmens. Sie weiss aber auch, dass sie zu jung und unerfahren ist, um «Chefin» zu sein. Deshalb verteilt sie die Verantwortung auf verschiedene Schlüsselpersonen.
Der Schlaganfall des Patrons trifft das Unternehmen unvorbereitet. Doch zeigt sich dadurch der stärkste Trumpf dieses Familienunternehmens: die 66 Mitarbeitenden der Leonhard Lehmann AG rücken zusammen, wie es jede Familie tut, wenn es das Schicksal erfordert. Nun wird offenbar, dass der Begriff des Familienunternehmens weit über die Familie Lehmann hinausgeht.
Im Vertrauen darauf, nichts allein entscheiden zu müssen, sagt die 24-jährige Katharina Lehmann: «Ich übernehme die Verantwortung.» Sie ist auf dem Erlenhof aufgewachsen, kennt jeden Mitarbeiter und die Stärken und Schwächen des Unternehmens. Sie weiss aber auch, dass sie zu jung und unerfahren ist, um «Chefin» zu sein. Deshalb verteilt sie die Verantwortung auf verschiedene Schlüsselpersonen. -
1996 – Übernahme der Blumer Elementtechnik AG
Als KMU-Unternehmer stehen Leonhard Lehmann und Hermann Blumer vor ähnlichen Herausforderungen: begrenztes Kapital und hoher Investitionsbedarf. Die topmoderne Sägerei von Lehmann Gossau rentiert noch nicht und Hermann Blumer braucht dringend neue Partner für seine verschuldete Blumer AG in Waldstatt.
Mit der Übernahme der Blumer Elementtechnik AG durch die Leonhard Lehmann AG gewinnt der Erlenhof auf einen Schlag viel Know-how und exzellente Fachkräfte im Elementbau – vor allem in Person von Richard Jussel, der zum Geschäftsführer Holzbau ernannt wird. 1999 wird die neue Elementbauhalle auf dem Erlenhof eröffnet, die auch für Blumers ehemaligen Mitarbeitenden zur neuen Arbeitsstätte wird. 2000 erfolgt der Zusammenschluss der beiden Firmen zur Blumer-Lehmann AG. -
2000 – Silobau als neues Geschäftsfeld
Der Silobau ist ein Nischenmarkt und die Konkurrenz aus Deutschland mächtig. So macht sich Jakob Frischknecht von der kleinen Silobaufirma Schmid in Wattwil auf die Suche nach einem starken Partner und landet auf dem Erlenhof.
1999 fällt der Startschuss für den Silobau auf dem Erlenhof. Frischknecht führt dieses neue Geschäftsfeld zunächst allein; nur bei der Bauausführung greift er auf Mitarbeitende von Blumer Lehmann zurück; das erste Mal für den Bau eines 60 m³ grossen Salzsilos in Oberwil BL. -
2002 – Internationalisierung
Der erste internationale Auftritt von Blumer Lehmann an der Expo 2000 in Hannover steht noch im Schatten von Peter Zumthors berühmtem «Klangkörper». Gleichwohl demonstriert Blumer Lehmann mit einigen der elf modulartigen Multiservice-Komplexe seine Holzbaukompetenz.
Zwei Jahre später, an der Schweizer Expo. 02, erhält Blumer Lehmann dann eine grössere Bühne – mit drei Projekten, darunter den Bauten zum Thema «Natur und Künstlichkeit» auf der Arteplage in Neuchâtel. Ohne vorgängige Investitionen in neue 3D-Planungstools wären solche komplexen Formen kaum möglich gewesen. -
2004 – Katastrophenjahr
Bereits 2003 kam es zu einem Brand auf dem Erlenhof – im Hobelwerk. Ein Jahr später steht das Pelletwerk in Flammen. Und als wären die Feuerbrünste nicht Ungemach genug, bricht im Juni 2004 auch noch ein 150 m3 grosses Silo in Ostermundigen BE zusammen.
Grund dafür ist eine Aneinanderreihung unglücklicher Umstände – vom Pilzbefall der Holzstützen bis zur einseitigen Befüllung des Silos. Blumer Lehmann übernimmt Verantwortung und ersetzt das Silo auf eigene Kosten. Zudem gründet Blumer Lehmann im Silobau eine eigene Serviceabteilung, die fortan in regelmässigen Abständen Silos kontrolliert, unterhält und wartet.
Zwei solche Ereignisse bringen ein Familienunternehmen wie Blumer Lehmann an finanzielle Grenzen. Fünf Jahre wird es dauern, bis Geld für den Neubau des Hobelwerks geäufnet ist. -
2004 – Herausfordernde Holzbauten
Als die Kantone St. Gallen und Thurgau einen Architekturwettbewerb für die neue Kantonsschule in Wil ausschreiben, wünschen sie sich einen Holzbau. Das ist für eine Schule, die 600 Schülerinnen und Schülern Platz bieten wird, eine mutige Entscheidung.
Am Ende machen Staufer & Hasler Architekten aus Frauenfeld das Rennen, Blumer Lehmann übernimmt federführend den Holzbau. Dabei kommt Blumer Lehmanns Expertise im Elementbau zum Tragen. Mit einer Gebäudekubatur von 77’435 m3 wird die Kantonsschule Wil eines der grössten Holzbauwerke der Schweiz. -
2005 – Ein Baustein mehr
2005 übernimmt Blumer Lehmann die Firma Wey Modulbau AG in Villmergen und erhält dadurch auf einen Schlag viel Know-how im Bereich des Modulbaus.
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2007 – Sterzing IT: die grösste Siloanlage Europas
Der unglückliche Zusammenbruch eines Silos 2004 schmälert das Vertrauen in Blumer Lehmanns Silobau kaum. Nach mehreren erfolgreichen Projekten in der DACH-Region setzt Blumer Lehmann 2007 im südtirolischen Sterzing neue Massstäbe im Silobau.
Drei Silos à 600m³, die grösste Siloanlage Europas. Doch nicht nur die Grösse setzt hohe Ansprüche an die Statik, sondern auch das Schüttgut Marmorgranulat. Dieses ist bis zu 70 Prozent schwerer als Salz und muss staubdicht gelagert werden. Deshalb kleidet Blumer Lehmann die drei Trichter mit Chromstahlblechen aus. -
2008 – Holzarchitektur in neuen Formen
Ein Glücksfall für Blumer Lehmann, dass sich in Tokyo ein genialer Architekt ganz dem Holz verschreibt: Shigeru Ban. Er baut im Jahr 2008 in Südkorea das berühmte Haesley Nine Bridges Golf Clubhouse, das zur ersten Zusammenarbeit zwischen Shigeru Ban und Blumer Lehmann wird.
Wer die Geschichte von Blumer Lehmann bis hierher gelesen hat, weiss: Der Erfolg ist das Resultat harter Arbeit. Aber manchmal muss man auch Glück haben. Oder zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Jedenfalls wird es zu einem Glücksfall für Blumer Lehmann, dass sich auf der anderen Seite der Welt, in Tokyo, ein genialer Architekt ganz dem Holz verschreibt: Shigeru Ban.
Er baut im Jahr 2008 in Südkorea das berühmte Haesley Nine Bridges Golf Clubhouse, das zur ersten Zusammenarbeit zwischen Shigeru Ban und Blumer Lehmann wird. Denn nicht viele Holzbaufirmen sind technisch und personell in der Lage, Bans verwegenen Entwurf umzusetzen.
Vom Dach bis zu den tragenden, gotisch anmutenden Stützen – alles ist gebogen, gekrümmt, frei in der Form. Standardlösungen gibt es da keine. Blumer Lehmann investiert in eine neue CNC-Anlage, in ein Gebäude für diese Maschine sowie in ganz viel Wissen und betritt damit die Bühne der Weltarchitektur.
2012 folgt die Zusammenarbeit mit Shigeru Ban für das neue Tamedia-Gebäude in Zürich, 2019 der gemeinsame Bau des Swatch-Hauptsitzes in Biel, die ikonische «Raupe». Dazwischen gewinnt Shigeru Ban 2014 den Pritzkerpreis für Architektur.
Rund zehn Jahre nach dem Bau des Golfclubhauses sind wir erneut für das Golf Resort Haesley Nine Bridges tätig. Von 2018 bis 2022 entstehen sechs weitere aussergewöhnliche Gebäude: ein Learning Centre, ein Recreation Centre, das unterirdisch angelegte Foyer «Grand Hall» mit Restaurant und die drei Apartmenthäuser Condo A. -
2008 – Ausbau der Holzindustrie
Seit dem Brand 2003 arbeiten die im Hobelwerk beschäftigten Mitarbeiter von Blumer Lehmann in Provisorien. Dennoch stehen im Bereich Holzindustrie alle Zeichen auf Wachstum.
Bereits 2004 ist das Sägewerk mit einer neuen Sortieranlage ausgestattet worden, zwei Jahre später wird der Rundholzplatz um 180 Grad umgekrempelt, um auch dort die Abläufe zu optimieren. Seitdem wird das Rundholz nur noch in 5-Meter-Trämmel angeliefert. Gleichzeitig beginnt die Planung eines leistungsfähigeren Hobelwerks mit Trennbandsäge und integrierter Ablängfräse, Bündel- und Beschriftungsautomat. -
2009 – Wald aus Stützen: Tamina Therme in Bad Ragaz
Endlich Ruhe – das suchen die Besucherinnen und Besucher der Tamina Therma des noblen Grand Resort Bad Ragaz. Und an diesem Bedürfnis orientiert sich auch die leichte, lichte Architektur der Therme.
Und an diesem Bedürfnis orientiert sich auch die leichte, lichte Architektur der Therme. Der Holzbau stützt sich auf 115 Stützen, gefertigt bei Blumer Lehmann vom Sägen der 2200 heimischen Fichten bis zu den vorfabrizierten Elementen, in denen bereits die ovalen Fenster verbaut sind. Durch die Vorfabrikation kann die Bauzeit auf 13 Monate halbiert werden. -
2010 – Eigenversorgung mit Energie
Wachstum erfordert Energie. Das gilt insbesondere für die Pelletsproduktion der Beniwood AG, die mittlerweile rund 10'000 Tonnen Pellets aus Restholz von Blumer Lehmann produziert. Blumer Lehmann gründet 2010 die Lehmann Energie AG und nimmt ein eigenes Biomassekraftwerk in Betrieb, das nicht nur für eine autarke Energieversorgung des Erlenhofs sorgt, sondern sogar noch Strom für rund 1200 Haushalte in der Umgebung einspeist.
Damit schliesst Blumer Lehmann den Holzkreislauf: Im Wald wird das Holz geschlagen, auf dem Erlenhof zu Baustoffen verarbeitet, die Reste werden entweder in Wärmeträger oder in Strom umgewandelt, der am Ende anfallende CO2-Ausstoss wiederum von den Bäumen in Wäldern aufgenommen. -
2011 – Silobau wird Komplettanbieter
2011 macht sich der Silobau von Blumer Lehmann in seinem Leistungsspektrum und auch juristisch selbständig; mit eigenem Personal, internationalen Verkaufsstrukturen und einem Standort in Deutschland – erst in Untermeitingen, später in Klosterlechfeld.
Erstmals baut Blumer Lehmann eine vollautomatische Gesamtanlage im Silobau, inklusive Sole- und Förderanlagen, pneumatischer Weichenstellung und hydraulischem Schieber zur Salzentnahme. Dabei kann sich der Silobauer bei Fragen der Automatisierung und Steuerung auf langjährige Partner verlassen. Blumer Lehmann kann nun als Komplettanbieter auf dem Markt auftreten und die Kunden erhalten bei Bedarf vollautomatisierte Winterdienstanlagen aus einer Hand. -
2012 – Fliegende Klassenzimmer
Seit Ende der 1990er-Jahre wächst Zürich – und wie: Allein von 2000 bis 2023 um über 85 000 Einwohner. Allerdings hinkt der Schulbau dem Wohnungsbau hinterher. Deshalb entwickelt die Stadt 1998 ein Baukastensystem, bei dem vorgefertigte Holzmodule zu Schulzimmern zusammengefügt werden können.
Durch die Übernahme der Wey Modulbau AG in Villmergen im Jahr 2005 besitzt Blumer Lehmann das Know-how, um 2012 die Produktion der zweiten Generation dieser Zürich-Module ZM10 zu übernehmen.
Pro Arbeitstag werden zwei bis drei ZM10-Module im Werk vorgebaut und anschliessend 10 bis 20 Module auf der Baustelle montiert. Je nach Komplexität und Grösse des Projekts dauert die Endmontage zwischen einer Woche und fünf Monaten. -
2013 – Der Holzkreislauf schliesst sich: Gründung der Lehmann Pellets AG
Blumer Lehmann übernimmt die Beniwood AG. Der neu gewonnene Geschäftsbereich Lehmann Pellets AG veredelt sämtliches Restholz – Säge- und Hobelspäne sowie Rinde – entweder zu ökologischen Wärmeträgern wie Pellets und Rindenbriketts oder wandelt es im neuen Kraftwerk direkt in Wärme und Strom um.
Der Holzkreislauf auf dem Erlenhof ist geschlossen, Restholzprodukte ergänzen das Holzsortiment. Damit hat Urban Jung, langjähriger Geschäftsführer und die treibende Kraft der Blumer Lehmann Holzindustrie, einen weiteren Meilenstein erreicht. Sein Antrieb ist es, den Rohstoff Holz weiterzubringen, neue Produkte zu entwickeln, die Balance zwischen Handwerk und Industrie zu halten und eben: aus Restholz Energie zu gewinnen. -
2013 – Holzbau inmitten der Stadt
Das nächste Projekt gemeinsam mit dem Architekten Shigeru Ban, Hermann Blumer und Blumer Lehmann: das TA-Media-Bürogebäude inmitten der Zürcher City.
Die Glasfronten ermöglichen einen freien Blick auf die unverkleidete, tragende Holzkonstruktion. Dank spezieller Hartholzeinlagen, einer präzisen CNC-Fertigung und einer ausgeklügelten Montage entsteht der erste siebengeschossige Holzbau der Schweiz und das erste Aushängeschild eines grossen, städtischen Holzbaus. -
2015 – Free Form, die Königsdisziplin
Die Free Form orientiert sich nicht an Normen und Standards, sondern an den Entwürfen der Architektinnen und Architekten. 2014 bündelt Blumer Lehmann die Kompetenzen im Bereich Free Form in der Timber Code AG mit eigener Montagehalle an der Bischofszellerstrasse in Gossau sowie einer Hightech- Fräsmaschine TW-Mill von Techno- Wood, die Rohholz mit Dimensionen von bis zu 27 × 5,5 × 1,35 Metern zu geometrisch komplexesten Bauteilen fräst.
Die intensive Startup- Phase der Timber Code AG hinterlässt Spuren, sodass sie in die Blumer Lehmann zurückintegriert wird. Dennoch: Der Weg für die Free Form ist geebnet, und weitere Free Form-Projekte folgen.
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«Wir möchten den Architekten keine Konstruktion aufdrücken, sondern versuchen, die Ideen der Architekten aufzunehmen und sie baubar zu machen.» Kai Strehlke, seit 2015 Spezialist Free Form bei Blumer Lehmann -
2015 – Wohnbauten aus Holz werden grösser
Dank neuer Bauvorschriften werden die Holzbauten immer grösser, und auch im Wohnbau entstehen grosse Überbauungen aus Holz. Ein Beispiel dafür ist die Wohnanlage Bildweiher in St.Gallen.
Heute erfreuen sich mehrgeschossige Wohnbauten aufgrund der guten Energiewerte, des gesunden Raumklimas und der natürlichen Ästhetik grosser Beliebtheit und sind aus dem Portfolio von Blumer Lehmann nicht mehr wegzudenken. -
2015 – Heimatschutz: sanfte Renovation der Kobesenmühle
Als 2015 das 1698 erbaute und denkmalgeschützte Wohnhaus der Kobesenmühle in Niederhelfenschwil sanft renoviert werden soll, erhält Blumer Lehmann den Zuschlag für die Holzbauarbeiten.
Neuholz wird kaum verbaut, sondern es wurde vor allem an der Nordfassade, im Laubengang und an Fenstern und Türen das Bestehende geputzt, wenn nötig rekonstruiert, ergänzt und punktuell ersetzt, wobei das Holz – ob neu oder alt – unbehandelt blieb. Das fertige Werk nimmt der Denkmalschutz des Kantons St. Gallen in die Dokumentation «Beispielhafte Renovationen» auf. -
2017 – Angewandte Forschung: Erweiterungsbau Théâtre de Vidy in Lausanne
«Wie ein aufgefalteter Akkordeonbalg liegt das Bauwerk in der Wiese.» Der Vergleich einer Journalistin passt gut zum Erweiterungsbau für das Théâtre de Vidy in Lausanne, der vom Architekten Yves Weinand als Faltwerk entworfen wurde.
Weinand leitet das Holzbauinstitut IBOIS der EPFL in Lausanne, das seit Jahren Faltwerkstrukturen erforscht. Die überaus lehrreiche Zusammenarbeit steht beispielhaft dafür, wie Blumer Lehmann gemeinsam mit der ETH Zürich, der Empa und auch mit der Universität Stuttgart und weiteren Bildungsinstitutionen das Know-how in der Holzverarbeitung in Forschung und Praxis weiterentwickelt. -
2018 – Höchstgeschwindigkeit – aber bitte ökologisch
Unter Extrembedingungen baut Blumer Lehmann 2018 in Zürich dein dreistöckigen, 1800 Personen fassenden Hospitality-Bereich für das erste Formula-E-Rennen in Zürich. Nach dem Rennen reist der Temporärbau weiter nach Saudi-Arabien zum nächsten Formula-E-Rennen.
Als «Leistungsschau der E-Mobilität» bezeichnet die Neue Zürcher Zeitung das erste Formula-E-Rennen in Zürich. Die Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Tribüne müssen also keinen Lärm fürchten – die Boliden fahren mit Strom. Lange vor dem Rennen findet ein Wettbewerb anderer Art statt: Wer darf den dreistöckigen, 1800 Personen fassenden Hospitality-Bereich bauen? Ins Rennen gehen Firmen aus dem Stahl-, Gerüst-, Zelt- und Holzbau. Die «Disziplinen», in denen sich die Bewerber messen, sind u. a. Kosten, Geschwindigkeit des Auf- und Abbaus und eine mögliche Wiederverwendung. Sieger des Wettbewerbs ist Blumer Lehmann. So baut das Gossauer Unternehmen 2018 in Zürich unter Extrembedingungen. Standort des zu erstellenden Hospitality-Gebäudes ist der stark befahrene Mythenquai in Zürich-Enge, so dass der Aufbau bei laufendem Verkehr zur logistischen Meisterleistung wird. Nach dem Rennen reist der Temporärbau weiter nach Saudi-Arabien zum nächsten Formula-E-Rennen. -
2019 – Neue Dimensionen im Holzbau
Mit Hilfe parametrischer Planung sowie höchst präziser Produktion, Logistik und Montage entsteht eines der spektakulärsten Bauwerke der Schweiz: der Free Form-Holzbau Swatch-Hauptsitz in Biel. Der Bau, entworfen von Architekt Shigeru Ban, markiert auch das Ende einer grossen Holzbauerkarriere.
Zitat
«Ich habe grossen Respekt für das Team von Blumer Lehmann. Sie beherrschen die traditionelle Handwerkskunst und arbeiten gleichzeitig mit modernsten 3D-Modellierungen und CNC-Anlagen.» Shigeru Ban
2020 übergibt der langjährige Geschäftsführer Holzbau, Richard Jussel, die Führung in jüngere Hände – und deren gleich sechs. Martin Looser übernimmt die Sparten Free Form und International, Markus Rutz den Holz- und Modulbau in der Schweiz, Lukas Osterwalder den Holz- und Modulbau in Deutschland, Österreich und Luxemburg. Die Aufteilung in drei Geschäftsbereiche widerspiegelt die Erfordernisse und Erwartungen, die Blumer Lehmann in den Holzbau setzt. -
2019 – So schön kann Silo sein
Blumer Lehmann kann Silos, Modulbauten, Komplettanlagen und Automatisierung. Bildet man die Summe aus all diesen Kompetenzen, entsteht unter dem Strich die vollautomatische Modulsiloanlage. 2019 baut Blumer Lehmann im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA die bislang grösste dieser Anlagen in Chur mit 2300 m3 Salzlagervolumen, einer Soleproduktion, einem Betriebsraum mit Küche und WC und einer interirdischen Rückförderanlage.
Die aus Schweizer Lärchenholz gefertigte Fassade schützt nicht nur die vier Modulsilos, sondern sieht auch richtig schick aus. Blumer Lehmann kann Silos, Modulbauten, Komplettanlagen und Automatisierung. Bildet man die Summe aus all diesen Kompetenzen, entsteht unter dem Strich die vollautomatische Modulsiloanlage. Weiteren Anschauungsunterricht in der Ästhetik des Silobaus liefern Modulsilos in Fribourg FR, Olivone TI und Le Sépey VD. -
2020 – Aufbruch ins Ausland
Was wäre, wenn sich Blumer Lehmann als internationales Unternehmen verstünde – mit Wurzeln und Hauptsitz in der Schweiz und Niederlassungen im Ausland?
2019 gründet Blumer Lehmann in Luxemburg einen ersten ausländischen Verkaufsstandort. 2021 folgt in Grafschaft bei Bonn eine Niederlassung für Verkauf und Projektentwicklung sowie im Herzen Deutschlands, im hessischen Grossenlüder, die Inbetriebnahme einer gemieteten Montagehalle. Hier sollen fortan Modul- und Temporärbauten für den deutschen und skandinavischen Markt endmontiert werden.
Die Projekte lassen nicht auf sich warten. 2022 wird im badischen Schondorf ein Erweiterungsbau für eine Schule eröffnet sowie in Dresden ein neues Schulhaus in Holzmodulbauweise errichtet. Das Geschäft läuft, und Blumer Lehmann entscheidet, im nicht weit von Großenlüder entfernten Steinau an der Straße eine eigene, grössere Montagehalle zu bauen. Mit der Übernahme der österreichischen oa.sys GmbH im vorarlbergischen Alberschwende inklusive Produktionskapazitäten komplettiert Blumer Lehmann die Präsenz in der DACH-Region. -
2020 – UM!BAU: Theater recycelt
Das Theater St. Gallen muss saniert und erweitert werden. Damit das Ensemble und die St. Galler Theaterfreundinnen und -freunde während der Bauarbeiten ab Herbst 2020 nicht ohne Spielstätte sind, baut Blumer Lehmann das Provisorium UM!BAU mit allem, was in einem Theater dazugehört:
Kasse und Garderoben, ein Foyer mit Bar sowie ein Saal mit Bühne, Orchestergraben und Tribüne. Drei Spielzeiten wird das Provisorium als Theater dienen. Dann beginnen im November 2023 die sorgsamen Rückbauarbeiten. Im Januar 2024 machen sich die ersten Elemente aus Fichten- und Tannenholz auf die 300 Kilometer lange Reise ins bayrische Ingolstadt, wo ebenfalls die Sanierung des Stadttheaters ansteht. -
2022 – Einmalig: das vollautomatische Hochregallager für Schnittholz
2022 geht auf dem Erlenhof das 27 m hohe, vollautomatische Hochregallager für Schnittholz in Betrieb.
Die Halle mit ca. 900 Lagerplätzen bietet dank Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung ideale Bedingungen für die Holzlagerung. Die Bestückung und Entnahme des Lagers erfolgt dank eines programmierbaren Regalbediengeräts vollautomatisch. Das ist einmalig in der Schweizer Holzindustrie. -
2023 – Eine Marke für alle unsere Firmen: Blumer Lehmann
«Wir sind Blumer Lehmann» – ein Statement, das alle Firmen und Standorte der Lehmann Gruppe unter der gemeinsamen Marke Blumer Lehmann vereint.
Der neue einheitliche Markenauftritt vereinfacht die Unternehmensstruktur und die Kommunikation nach aussen und innen und verdeutlicht zudem die vielfältigen Kompetenzen entlang des Holzkreislaufs unter einem Dach. -
2024 – Wachstum aus Notwendigkeit
Ab 2018 forciert Blumer Lehmann die Investitionen im Bereich Holzindustrie – beginnend mit der Verlegung des Loobaches und dem Neubau der Zugangsstrasse. Nach der Inbetriebnahme des Hochregallagers im Jahr 2022 für Schnittholz folgt 2023 eine vollautomatische Absackanlage für Pellets und Kleintierstreu. Das Sägewerk läuft auf Hochtouren und verzeichnet 2022/2023 eine Rekord-Einschnittmenge von ca. 174’000 fm Rundholz – ein Drittel mehr als 2019.
Im Gleichschritt mit dieser Entwicklung steigt die Auslastung des Hobelwerks, das wieder in zwei Schichten betrieben wird. Zudem ermöglicht das 2020 eröffnete Sortier- und Keilzinkwerk eine Sortierung nach Qualitäten und Dimensionen des Schnittholzes. Mit drei Hallenneubauten werden zudem die Kapazitäten im Holzbau für den Abbund sowie die Element- und Modulproduktion erweitert und die Prozesse optimiert. Bisher ausgelagerte Bereiche können auf den Erlenhof zurückkehren, und ein neues Leimwerk wird ab 2025 die Wertschöpfungskette weiter verlängern. Auch personell wächst der Standort Schweiz: Mit der Übernahme der Holzbausparte der Hächler-Gruppe im April 2025 verstärken 20 erfahrene Holzbauprofis an ihrem bisherigen Arbeitsort Neuenhof bei Wettingen das Team von Blumer Lehmann.
Zitat
«Dann wird das Rundholz hier angeliefert, das daraus produzierte Schnittholz im Leimwerk zu Platten und Stäben verarbeitet und schliesslich direkt in unsere Module eingebaut.», Urban Jung, Leiter Holzindustrie -
2025 – Schlusspunkt und Startschuss: das neue Stammhaus
Doch das Wachstum der letzten Jahre brachte den Standort an seine Grenzen. Während Katharina Lehmann die Strategie einer integrierten Wertschöpfungskette vorantrieb – mit ganzheitlichen Holzlösungen vom Erlenhof – wurde das Firmenareal zu klein.
Vor 150 Jahren war der Loobach der Grund dafür, dass Leonhard Lehmann I. hier auf dem Erlenhof seine Sägerei errichtete und damit den Grundstein für die Geschichte von Blumer Lehmann legte. Doch das Wachstum der letzten Jahre brachte den Standort an seine Grenzen. Überall in der Region mussten Hallen und Büros dazu gemietet werden.
Und der Loobach im Norden verhinderte eine Ausweitung der industriellen Nutzungszone. Nur mit grossen bürokratischen und baulichen Anstrengungen gelang es, den Bach Richtung Norden zu verlegen und damit die Zukunft des Standorts zu sichern. Der neue Hauptsitz setzt den Schlusspunkt hinter all diese Investitionen und bringt zusammen, was zusammengehört. Und mit dem Stammhaus steht Mitarbeitenden, Partnern und Besuchern ein neuer Ort zum Arbeiten und für frische Ideen zur Verfügung.